Showroom 4.1 – Artist Talk – Gan-Erdene Tsend

Am 18. August 2017 um 19:00 Uhr

Gan-Erdene Tsend: Malerei
EINLADUNG zu Vortrag, Interview und Diskussion im Rahmen der Reihe „ARTIST – TALK“ im Showroom 4.1.

Der Künstlervortrag mit Gan-Erdene Tsend gibt eine Werkübersicht mit Gemälden und druckgrafischen Blättern von den frühen 2000er Jahren bis zu den jüngst entstandenen Arbeiten. Tsend zeigt auf die für ihn unverwechselbare Weise Stationen seines künstlerischen Schaffensprozesses, die beständig zwischen zwei Welten mäandern – die seiner asiatischen Wurzeln in der Mongolei und jene seines Lebens in Europa.
Ein Blick auf die Bildwelten Gan-Erdene Tsends bewegt den Betrachter unmittelbar: Es sind zuvorderst die Stimmung, ruhig, kontemplativ, sinnlich, sowie das Vokabular seiner Motive, immer wieder Menschen, in Gruppen oder alleine, begleitet von Pferden oder vor der großartigen Kulisse einer der Mongolei verwandten Steppen- oder Wüstenlandschaft. Tsend ist ein Meister darin, sich und seine Gedankenwelt zu vermitteln ohne dabei die großen, lauten Gesten zu bemühen. Als „Wanderer zwischen den Welten“ bewegt er sich leise, nicht stumm. Immer wieder verarbeitet er seine Lebenserfahrungen und schafft doch zugleich den Brückenschlag in universell-erfahrbare Empfindungen. So etwa jene der Trennung von der mongolischen Heimat, von seiner Familie und von einem Verständnis, das den Menschen in Einheit mit dem dortigen, überwiegend unberührten Naturraum sieht. Seine Landschaftsbilder sind geprägt von Weite und Ferne, sie atmen den Geist von einem innigen Verhältnis, das dem überwiegend traditionell nomadischen Volk zu eigen ist. Natur und Naturerleben werden emotionalisiert und noch mehr gesteigert, wenn der Künstler beim sich beim Malen vom traditionellen mongolischen Kehlkopfgesang, der sogenannenten Höömii inspirieren lässt.
Diese Wurzeln bzw. das Thema der Ent-Wurzelung findet sich in bildnerischen Strategien wider, die kalkuliert und doch intuitiv lesbar sind. Seine sogenannten „Spiegelbilder“ bieten dem Gefühl des Getrennt-seins und dem Verlust der Bodenhaftung ein optisches Äquivalent, mit dem er gesellschaftliche und politische Themen zu transportieren weiß. Mittels einer gespiegelten und einer vermeintlich „realen“ Szene vermag er zwei unterschiedliche Inhalte darzustellen, zwei Realitätsebenen oder besser: Bewusstseinsebenen, deren Botschaft sich erst im Kontext dechiffrieren lässt und dabei viel Spielraum für unterschiedliche Lesarten bietet.  Sei es Gegenwart und Vergangenheit oder Traum und Wunsch, die er miteinander konfrontiert – die Spiegelung im Bild führt den Betrachter weg von traditionellen Sehgewohnheiten und hin zu einer Reflexion über eigene Gedanken und die Frage nach dem Abbild einer Erinnerung.

Gan-Erdene Tsend (geb. 1979 in Murun, Mongolei) studierte zunächst an der Universität für Kultur & Kunst in Ulan Bator, bevor er 2003 ein Studium der freien Malerei bei Professor Hermann-Josef Kuhna an der Kunstakademie Münster aufnahm und als Meisterschüler abschloss. 2012 erhielt er den Kunstpreis Wesseling, 2014 wurde er als „Best Mongolian National Talent“ durch das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft der Mongolei ausgezeichnet. Einzelausstellung in Deutschland und der Mongolei seit 2007 begleiten sein künstlerisches Schaffen. Werke des Künstlers befinden sich in öffentlichen Sammlungen (Mathias-Spital Rheine, Bodelschwingh-Krankenhaus Ibbenbüren; Universitätsklinikum Münster; Kreishaus Kreis Coesfeld). Vertreten wird der Künstler durch die Galerie Hovestadt, Nottuln, Galerie Hoffmann, Rheda-Wiedenbrück, Galerie Klose, Essen und Art Galerie 7, Köln.

Begleitet wird der Vortrag von der Kunsthistorikerin Dr. Gabriele Hovestadt.

Abb. „self-portrait“ 2017, 80×100 cm, Öl auf Leinwand (c) Gan-Erdene Tsend


Vorschau:
01. 09 Samuel Treindl und Sandra Pulina
15.09. Franka Boltz
29.09. Susanne Koheil und Günter Wintgens